Mittwoch, 23. Oktober 2013

Ballesterer 86



Rezension


Ballesterer
Nr. 86, November 2013
84 S.






Zum 150. Jahrestag der Gründung der englischen Football Association blickt Hans Georg Egerer in einem sehr guten Artikel auf die Anfänge des organisierten Fußballs und seine Einfassung in Regeln. Etwa die Diskussion um Erlaubnis oder Verbot des Schienbeintretens! Es ist eine in ihrer Bedeutung für den Fußball, wie wir ihn kennen, nicht zu unterschätzende Epoche: „In nur drei Jahrzehnten war aus einem von wohlhabenden Amateuren betriebenen Elitesport ein von gutbezahlten Profis betriebenes Massenereignis geworden. Das Cupfinale 1893 zwischen Wolves und Everton sahen schon 45.000 Fans. In den 30 Jahren seit Gründung der FA hatte der Fußball das Gesicht angenommen, das wir heute kennen. 1863 durfte der Ball noch von jedem Feldspieler gefangen werden, 30 Jahre später nur mehr vom Tormann. Galt zu Beginn als Tor, wenn der Ball in beliebiger Höhe die Pfosten passierte, mußte er jetzt unter die Latte.“
Großartig sind dazu die Illustrationen aus dem Jahr 1872. Diese waren mir vom Buch A Develyshe Pastime von Graham Hughes bekannt und erinnerten daran, dieses einmal wieder zur Hand zu nehmen. Auch die Geschichten, wie der Fußball nach Österreich kam, liest man immer wieder gerne.

Erfreulich ist, daß es als Folge der letztjährigen Grazer Konferenz Fußball, Macht und Diktatur ein Text über den Grazer Sportklub Straßenbahn in die Serie Fußball unterm Hakenkreuz geschafft hat. Weiters gibt es im Heft über die immer wieder sehr dubios klingenden Immobilienprojekte der Vienna zu lesen, in denen sie ihr Glück und Überleben zu finden hofft, da sie ihren Angestellten derzeit die Gehälter nicht einmal ordentlich bezahlt. Interessant sind die Auslandsberichte über politische Hintergründe in Istanbul und Nordirland sowie Reinhard Krennhubers Interview mit einem ukrainischen Journalisten zum Fall Pawlitschenko. Die Forderung nach Freilassung der Pawlitschenkos war zuletzt in Wien am Auswärtssektor von Dynamo Kiew (in englisch) und voriges Jahr auch an jenem von Metalist Charkiw (in russisch) zu lesen. Ebenfalls interessant ist das Interview zur Fanmitbestimmung und Situation bei Aris Saloniki. Ich hoffe, solche Themen bleiben weiter im Fokus.

Inhaltlich begrüßenswert, aber ästhetisch ein Graus ist die optisch mißlungene Doppelseite mit Zahlen zum großen Wiener Derby. Allgemein zum neuem Layout: An die Vorspiel-Seiten mit der Überfrachtung mit kleinen Kurzmeldungen muß man sich wohl erst gewöhnen. Die neue Schrift gefällt und ist auch sehr gut lesbar. Ansonsten wirkt das Layout recht ruhig und wenig verspielt, was angenehm und sehr positiv ist. Der im Editorial apostrophierten „Generation Lesebrille“ kommt die kleine Schriftgröße auf manchen Seiten allerdings nicht entgegen.

Wohl etwas amüsiert berichtet der Ballesterer über „zwei wichtige Punkte“ und vermeldet Kritik von „sprachsensiblen Lesern“ an der englischen Zeitung Guardian, die den Herrn Özil nicht Ozil, sondern Özil geschrieben haben wollen. Da ist dann an dieser Stelle erneut an die eigene Ignoranz gegenüber solchen diakritischen Zeichen zu erinnern und diese unwürdige Geringschätzung anderer Sprachen und ihrer Schreibweise anzuprangern.

1 Kommentar:

  1. hab auch mein senf abgegeben
    http://unterwegs-derblog.blogspot.co.at/2013/11/ballesterer-nr86.html

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